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Berlin (pps). Optisch erinnern gerade einmal fünf winzige Narben an den
Eingriff. Marco Liefke selbst kann sie kaum finden: „Irgendwie scheint mir die
Operation schon Jahre entfernt, als ob die sonst wann gewesen wäre.“
Dabei ist nur etwas mehr als ein halbes Jahr ins Land gezogen, seit der 28 Jahre alte
Volleyball-Nationalspieler Marco Liefke am Herzen operiert worden ist. Von der
Leiste aus schoben die Ärzte des Heidelberger Klinikums einen Katheder zum
Herzen, zerstörten einen Erregungsleister, der zuvor als Ursache für Liefkes
Herzrasen in Folge eines Herzklappenfehlers diagnostiziert worden war.
„Vielleicht kann ich jetzt, da die Beschwerden weg sind, befreiter aufspielen
und noch ein bisschen mehr Leistung aus mir herausholen. Irgendwie war bei
mir durch diese gesundheitlichen Probleme ständig eine kleine Blockade da“,
sagte Liefke nach dem Eingriff. Kaum genesen jedenfalls, führte Liefke - als
wäre nie etwas geschehen - den SCC Berlin zur Deutschen Volleyball-
Meisterschaft. In allen drei Final-Spielen glänzte der gebürtige Schweriner als
überragender Spieler. Liefke: „Ich habe im richtigen Moment immer die richtige
Entscheidung getroffen. An so einem Tag möchte ich nicht gegen mich spielen
müssen - das wäre deprimierend.“
Nicht schrecken wird dies allerdings die Akteure von Weltmeister Brasilien, am
Samstag und Sonntag (jeweils 14.00 Uhr) im Rahmen der Weltliga Gast der
deutschen Nationalmannschaft in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Für
Bundestrainer Stelian Moculescu dienen die Weltliga-Auftritte in erster Linie als
perfekte Vorbereitung für die Europameisterschaft vom 5. bis 14. September in
Karlsruhe, Leipzig und Berlin. In den Duellen mit Brasilien und Italien sollen
Deutschlands Schmetterkünstler den einen oder anderen Satzgewinn feiern
und vor allem Lernen. Gegen Portugal sollen Siege her.
„Das mit dem Lernen und den Satzgewinnen ist ja schon ziemlich lange so. Es
wird langsam Zeit, solche Spiele auch mal zu gewinnen“, sagte Liefke nach
den beiden 1:3-Niederlagen gegen den dreimaligen Weltmeister Italien am
vergangenen Wochenende in München. Liefke weiter: „Wir brauchen ein
Erfolgserlebnis, Selbstvertrauen kann man sich auf Dauer nicht nur einreden.“
Gegen den amtierenden Weltmeister Brasilien verlor die DVV-Auswahl
auswärts mit 0:3 und 1:3, in Portugal gab es immerhin einen Teilerfolg (3:2 und
1:3).
Schließlich möchte sich der 207 Zentimeter lange Riese noch einen Traum
erfüllen: „Einmal an Olympischen Spielen teilnehmen.“ Auf dem Weg dorthin ist
eine erfolgreiche EM unbedingt erforderlich. „Wir wollen nach Berlin“,
umschreibt Liefke das Nahziel. Nur die besten acht Mannschaften dürfen an
der Endrunde in der deutschen Hauptstadt teilnehmen.
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